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Y-Local: Jugendfreundliche Gemeinden in Luxemburg

Verstehen, was lokale Lebenswelten für junge Menschen sinnvoll, förderlich und attraktiv macht

Y-LOCAL (Jugendfreundliche Gemeinden in Luxemburg) ist ein zweijähriges empirisches Forschungsprojekt, das vom Centre for Childhood and Youth Research (CCY) der Universität Luxemburg durchgeführt und vom Service national de la jeunesse (SNJ) finanziert wird. Das Projekt läuft von Herbst 2025 bis Herbst 2027; die empirische Feldforschung in den teilnehmenden Gemeinden findet im Herbst 2026 statt. Erste Erkenntnisse werden für Ende 2026 und Anfang 2027 erwartet; die endgültigen Ergebnisse werden im Herbst 2027 veröffentlicht, verbreitet und gemeinsam mit den Interessengruppen und der breiten Öffentlichkeit diskutiert.

Die Lebensrealität der Jugendlichen von heute

Junge Menschen erleben das Leben vor Ort in einer vernetzten Welt aus Orten, Beziehungen, Chancen, Mobilität, Dienstleistungen, digitalen Umgebungen und Beteiligungsmöglichkeiten. Durch diese alltäglichen Erfahrungen entwickeln sich Gefühle der Zugehörigkeit, Anerkennung und Unterstützung, ebenso wie die Möglichkeiten junger Menschen, sich ihre Zukunft vorzustellen und selbst zu gestalten.

Der Nationale Bericht zur Situation der Jugend in Luxemburg 2025 bietet einen wichtigen Ausgangspunkt. Er beschreibt das Leben junger Menschen als zunehmend vernetzt zwischen Online- und Offline-Welten, wobei digitale Technologien eng mit Bildung, Beziehungen, Identität, Freizeit und Teilhabe verflochten sind. Der Bericht hebt zudem die sich wandelnden Belastungen hervor, die mit dem Wohlbefinden, psychosomatischen Problemen und den allgemeinen sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen zusammenhängen, und stellt gleichzeitig die Ressourcen, Bewältigungsstrategien und vielfältigen Formen des Engagements junger Menschen in den Vordergrund.

Das Ergebnis ist ein Bild vom Leben junger Menschen, das reichhaltig, erfüllt und vielschichtig ist und sowohl von Beziehungen und Möglichkeiten als auch von Anforderungen, Übergängen und Unsicherheiten geprägt wird. Daher ist es besonders wichtig, dem lokalen Umfeld systematisch Beachtung zu schenken:

Gemeinden sind in der Tat wichtige Orte, an denen Mobilität, Raum, Beziehungen, Teilhabe, Unterstützung und Zugehörigkeit zusammenkommen.

Luxemburg bietet einen besonders vielfältigen Rahmen für diese Untersuchung. Die Gemeinden unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Größe, Geografie, Infrastruktur, Erreichbarkeit und der Netzwerke lokaler Interessengruppen, während junge Menschen in einer äußerst vielfältigen, mehrsprachigen und transnationalen Gesellschaft aufwachsen. Im Jahr 2025 berichteten sowohl der Nationale Jugendbericht 2025 als auch STATEC, dass rund 47 % der Wohnbevölkerung Luxemburgs eine andere Staatsangehörigkeit als die luxemburgische besaßen, während Mehrsprachigkeit, kulturelle Vielfalt und transnationale Familiennetzwerke Teil des Alltagskontexts sind, in dem viele junge Menschen aufwachsen.

Diese Merkmale machen die lokale Ebene zu einem besonders aussagekräftigen Rahmen, um zu untersuchen, wie junge Menschen Zugehörigkeit, Teilhabe, Mobilität und Chancen im Alltag erleben. Für Y-LOCAL zeigt sich Jugendfreundlichkeit im kommunalen Alltag: An den Orten, an denen junge Menschen leben, in den Beziehungen, die sie aufbauen, in den Möglichkeiten, die sich ihnen bieten, und in der Art und Weise, wie sie Unterstützung, Mobilität, Teilhabe und Anerkennung erfahren.

Jugendfreundlichkeit im lokalen Alltag

Die Gemeinden in Luxemburg bieten bereits ein breites und vielfältiges Spektrum an jugendbezogenen Dienstleistungen, Aktivitäten, Infrastrukturen und Möglichkeiten. Doch die bloße Existenz eines Angebots bedeutet nicht zwangsläufig, dass es für die Jugendlichen, für die es bestimmt ist, auch zugänglich, sinnvoll oder gar sichtbar ist.

So kann es beispielsweise vorkommen, dass eine Beteiligungsstruktur existiert, ohne dass junge Menschen das Gefühl haben, dass ihre Meinung zählt; dass ein öffentlicher Raum zwar technisch barrierefrei ist, sich manche junge Menschen dort jedoch nicht willkommen fühlen; dass ein Jugendangebot von denjenigen, die es nutzen, hoch geschätzt wird, während es anderen weitgehend unbekannt bleibt; und dass einige der Menschen oder Orte, die im Alltag junger Menschen eine besonders wichtige Rolle spielen, völlig außerhalb formeller Jugendstrukturen liegen.

Y-LOCAL befasst sich daher sowohl mit dem, was verfügbar ist, als auch damit, wie das Leben vor Ort tatsächlich erlebt wird. Es untersucht, wie Möglichkeiten im Alltag wahrgenommen und mit Bedeutung gefüllt werden. Ein besonderes Interesse gilt dabei dem, was Y-LOCAL als „Anerkennungslücken“ bezeichnet:

Unterschiede, die sich ergeben können zwischen dem, wie junge Menschen sich selbst, ihre Bedürfnisse und ihr Leben vor Ort verstehen, und dem, wie Erwachsene, Institutionen oder lokale Akteure „ihre Jugend“ verstehen. Wer ist sichtbar und wer ist schwerer zu erreichen? Welche Orte, Beziehungen und Möglichkeiten sind für junge Menschen selbst von Bedeutung? Inwieweit stimmen institutionelle Vorstellungen mit den Lebenserfahrungen junger Menschen überein?

Y-LOCAL geht in erster Linie von den Lebenserfahrungen junger Menschen aus. Indem ihre Perspektiven mit denen kommunaler und lokaler Akteure in einen Dialog gebracht werden, wird sichtbar, wie Jugendfreundlichkeit im kommunalen Alltag erlebt, verstanden und gestaltet wird. Daraus ergibt sich die zentrale Forschungsfrage von Y-LOCAL:

Wie sieht eine jugendfreundliche Gemeinde aus der Perspektive junger Menschen aus?

Das Projekt nähert sich dieser Frage anhand mehrerer miteinander verknüpfter Aspekte des lokalen Lebens. Es untersucht die Themen Wohlbefinden und Zugehörigkeit, Erfahrungen mit Dienstleistungen und Infrastruktur, Sinn und Identität, Beziehungen und wichtige lokale Ankerpunkte, Teilhabe und Reaktionsfähigkeit sowie die Rolle des Raums.

Dabei wird untersucht, ob sich junge Menschen willkommen, wertgeschätzt, sicher, eingebunden und in der Lage fühlen, sich vor Ort zu entfalten; wie sie Jugendangebote, kulturelle und sportliche Möglichkeiten, Mobilität, Informationsangebote und andere Infrastrukturen erleben; und wie sie sich selbst im Verhältnis zu den Orten, an denen sie leben, verstehen.

Das Projekt untersucht zudem die Beziehungen zu Gleichaltrigen, Erwachsenen, Jugendbetreuern, lokalen Akteuren und anderen Personen, die im Alltag als wichtige Bezugspunkte fungieren können. Außerdem geht es um Möglichkeiten zur Meinungsäußerung, zum Dialog und zur gemeinsamen Gestaltung.

Darüber hinaus widmet Y-LOCAL dem Thema Raum besondere Aufmerksamkeit. Öffentliche Plätze, Parks und Straßen spielen dabei ebenso eine Rolle wie halböffentliche Orte, Jugendzentren, Cafés, Sportanlagen, Verkehrswege, informelle Treffpunkte und digitale Umgebungen. Das Projekt untersucht somit, wie sich junge Menschen in den Räumen ihrer lokalen Umgebung bewegen, diese nutzen, interpretieren, sich aneignen, meiden und ihnen Bedeutung verleihen.

Lokale Panoramen erstellen: eine multiperspektivische Sichtweise

Y-LOCAL ist als qualitative Mehrfachfallstudie konzipiert, an der 6–8 Gemeinden beteiligt sind, die so ausgewählt wurden, dass sie ein breites Spektrum lokaler Gegebenheiten in Luxemburg widerspiegeln. Jede Gemeinde wird als eigenständiger Fall und lokales Panorama behandelt, wodurch ihr spezifisches räumliches, soziales, relationales und institutionelles Umfeld eingehend untersucht und anschließend mit den anderen Gemeinden zusammengeführt wird, um einen umfassenden Überblick zu gewinnen.

Die Lebenserfahrungen junger Menschen bilden den empirischen Kern dieser Überblicke. Um diesen Kern herum bündelt die Studie Perspektiven von kommunalen und lokalen Akteuren sowie von Schlüsselpersonen, die von den Jugendlichen selbst benannt wurden – Menschen, die zwar in formellen Jugendstrukturen tätig sein können, aber ebenso gut außerhalb dieser Strukturen stehen können. Informationen und Dokumente auf Gemeindeebene liefern eine zusätzliche kontextuelle Ebene und tragen dazu bei, diese Perspektiven in das demografische, räumliche, infrastrukturelle und institutionelle Umfeld der jeweiligen Ortschaft einzuordnen.

Zusammen ergeben diese Ebenen ein kontextbezogenes Bild jeder Gemeinde: ihre lokale Ökologie und die Art und Weise, wie sich Räume, Beziehungen, Strukturen und Möglichkeiten im Alltag junger Menschen überschneiden.

Das Alltagsleben auf andere Weise erforschen

Um die lokalen Lebenswelten junger Menschen in ihrer ganzen Vielfalt und Komplexität zu erkunden, nutzt Y-LOCAL multimodale, kunstbasierte und jugendzentrierte Methoden, die die Teilnehmenden dazu einladen, ihre Erfahrungen auf unterschiedliche Weise auszudrücken, zu dokumentieren, zu interpretieren und zu vermitteln.

Junge Teilnehmende arbeiten mit Karten ihrer Gemeinden, um bedeutungsvolle Wege, Treffpunkte, Hindernisse und emotional bedeutsame Orte zu identifizieren. Anhand von Fotoreisen dokumentieren sie Aspekte des lokalen Alltags, die ihnen einladend, unterstützend, schwierig, fehlend oder persönlich bedeutsam erscheinen. Gemeinsame Collagen und Zukunftsübungen ermöglichen es den Gruppen, über ihr aktuelles Umfeld nachzudenken und sich vorzustellen, wie eine jugendfreundliche Zukunft vor Ort aussehen und sich anfühlen könnte.

Diese visuellen und partizipativen Ansätze setzen dort an, was junge Menschen wahrnehmen, nutzen, schätzen, meiden, in Erinnerung behalten und sich vorstellen. Zudem entstehen dabei Forschungsmaterialien, die „weitere Verbreitung finden“ können: Karten, Fotos, Collagen und andere kollektive visuelle Ergebnisse können zu Ressourcen für den Dialog zwischen jungen Menschen, Gemeinden, Fachkräften der Jugendarbeit, Forschenden und politischen Akteuren werden.

Von lokalen Erfahrungen zu gemeinsamem Wissen und gemeinsamen Möglichkeiten

Y-LOCAL hat sich zum Ziel gesetzt, Wissen zu generieren, das sowohl wissenschaftlich fundiert als auch in der Praxis anwendbar ist.

Für die teilnehmenden Gemeinden wird das Projekt kontextsensitive Überblicke über die lokalen Erfahrungen junger Menschen erstellen, wobei Stärken, geschätzte Orte und Beziehungen, Hindernisse, sich abzeichnende Bedürfnisse und Möglichkeiten zur weiteren Entwicklung hervorgehoben werden. Über die lokalen Panoramen hinweg wird Y-LOCAL zudem Praktiken, Rahmenbedingungen und Ansätze identifizieren, die in anderen Kontexten als Inspiration dienen können. Ziel ist es, forschungsgestützte Ideen und Orientierungspunkte zu entwickeln, die gemeinsam geteilt, diskutiert, angepasst und weiterentwickelt werden können, wobei stets auf die besonderen Gegebenheiten der verschiedenen lokalen Kontexte eingegangen wird.

Zu den erwarteten Ergebnissen zählen Gemeindeportrete oder -panoramen, gemeinsam mit Jugendlichen erstellte visuelle Materialien, Forschungs- und Politikpublikationen, Rückmeldungen von Interessengruppen sowie evidenzbasierte Empfehlungen. Auf diese Weise wird die Lebenserfahrung der Jugendlichen zu einer Ressource für Reflexion, Dialog und Handeln in den luxemburgischen Gemeinden und im Jugendbereich.

Anknüpfung an die Jugendforschung in Luxemburg

Y-LOCAL ist Teil einer umfassenderen Forschungstradition am Centre for Childhood and Youth Research (CCY), die sich mit den Lebenswelten junger Menschen, ihrer Teilhabe, ihrem Wohlbefinden, der Jugendarbeit und lokalen Umfeldern befasst. Das Projekt ergänzt repräsentative nationale Forschungsarbeiten wie den Youth Survey Luxembourg und den Nationalen Jugendbericht, indem es eine vertiefte, ortsbezogene Perspektive darauf liefert, wie übergeordnete Entwicklungen in bestimmten lokalen Kontexten erlebt werden. Y-LOCAL knüpft zudem an die Forschung zur kommunalen Partizipation und Nichtpartizipation im Rahmen von „Young People in Esch-sur-Alzette“ (YES) sowie an die Untersuchung des beruflichen Verständnisses von Jugendarbeit in „Perspectives on Youth Work in Luxembourg“ (PYL) an, ebenso wie an frühere Arbeiten des CCY zur lokalen Jugendplanung und zu den Beziehungen junger Menschen zu ihrem sozialen und räumlichen Umfeld.

Diese Zusammenhänge sind Teil eines umfassenderen Forschungsportfolios des CCY zum Thema Kindheit und Jugend, das hier eingesehen werden kann. Zusammen tragen diese verschiedenen Forschungsstränge zu einem differenzierteren Verständnis des Lebens junger Menschen in Luxemburg bei und zeigen auf, wie das lokale Umfeld auf die Vielfalt ihrer Alltagserfahrungen eingehen kann.

Ansprechpartner·in

Sandra Biewers

Sandra Biewers Grimm

Dr. Sandra Biewers Grimm ist Diplom-Pädagogin mit einem Master-Abschluss in Social Management und Postdoctoral Researcher im Zentrum für Kindheits- und Jugendforschung (CCY) der Universität Luxemburg.

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Rosa Lisa Iannone

Dr. Rosa Lisa Iannone ist Postdoctoral Researcher im Projekt Y-LOCAL im Centre for Childhood and Youth Research (CCY) der Universität Luxemburg.

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